Archiv

Virtuelles Gedenken am 9. November

In Erinnerung an den 9. November 1938, an dem auch die Einbecker Synagoge in Brand gesetzt und zerstört wurde, findet jedes Jahr eine Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die Synagoge an der Bismarckstraße statt. 2020 ist eine solche Veranstaltung in der Corona-Pandemie nicht möglich. Daher wird das Gedenken an die Novemberpogrome der Nationalsozialisten virtuell und ins Internet verlegt.

Aus der Partnerstadt Keene in den USA erreichte alle Einbecker Bürgerinnen und Bürger eine Botschaft zum 9. November, die Dr. Elke Heege und Florian Fechner auf Deutsch und Englisch in diesem Video sprechen:

In mehreren Videos erinnern Mitglieder des Bündnisses “Einbeck ist bunt” an Mitbürger jüdischen Glaubens, die im Nationalsozialismus gedemütigt, verfolgt, vertrieben und getötet wurden. “Heute jährt sich zum 82. Mal die Reichspogromnacht”, sagt Sprecher Peter Zarske. “Auch die Einbecker Synagoge wurde angezündet und abgebrannt. Juden wurden bedrängt, ausgeraubt und vertrieben. Rechtsradikales Denken und Handeln ist weit verbreitet, auch bei uns in Einbeck. Das darf nicht sein. 1938 darf sich nicht wiederholen.”

Einleitung und Erinnerung an Emilie Weimar (Sprecher Peter Zarske)
Erinnerung an Rosa Steinberg (Sprecher Peter Zarske)
Erinnerung an Johanne Steinberg (Sprecherin Petra Reemts)
Erinnerung an Familie Fuchs (Sprecherin Annegret Kröger)
Erinnerung an die Geschwister Rosenberg (Sprecherin Kirsten Radon)
Erinnerung an Familie Kayser (Sprecherin Dr. Sabine Michalek)
Erinnerung an die Brüder Goldschmidt (Sprecherin Margrit Cludius-Brandt)

Förderung durch Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Aus den Händen des Ortskuratoriums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) hat der Förderverein Alte Synagoge eine Förderzusage über 25.000 Euro erhalten. Mit dem Geld sollen die historischen Wandbefunden restauriert und sichtbar erhalten werden.  Momentan laufen die letzten Abstimmungen mit der Denkmalpflege, teilte Vorsitzender Frank Bertram bei der Übergabe mit, dann folgen die Ausschreibungen der Gewerke. Bis Sommer 2020 will man den Bauabschnitt des Innenausbaus abschließen, berichtete die Einbecker Morgenpost am 4. Dezember 2019.

(c) EM 04.12.2019

VR-Stiftung und Volksbank eG in Einbeck unterstützen

Der Innenausbau der Alten Synagoge in Einbeck beginnt: Eine Zuwendung der VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Norddeutschland und der Volksbank eG in Einbeck in Höhe von 10.000 Euro hat der Förderverein Alte Synagoge in Einbeck e.V. erhalten. Karsten Uhde überreichte den Spendenscheck an die Vorstandsmitglieder Margarete Voges und Frank Bertram.

Insgesamt sind Fördermittel für kalkulierte Kosten in Höhe von rund 250.000 Euro zugesagt. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagte Förderverein-Vorsitzender Frank Bertram. „Wir schaffen mit der Alten Synagoge einen Ort der Begegnung und des offenen Dialogs.“ Der Förderverein kann im Winter den Innenausbau des 200 Jahre alten denkmalgeschützten Fachwerkgebäudes realisieren. Die Alte Synagoge in der Baustraße ist eines der letzten Zeugnisse jüdischen Lebens in Einbeck.

Der Bauabschnitt erfolgt wieder wie bislang in konstruktiver Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde Stadt Einbeck und dem Landesamt für Denkmalpflege in Hannover, die das Projekt seit Jahren positiv begleiten. Das vom Förderverein beauftragte Ingenieurbüro Mathias Cortnum (Strodthagen) koordiniert alle Arbeiten. Zurzeit läuft die Ausführungsplanung. Vorgesehen ist, eine innovative Wandheizungtechnik zu installieren, die Wände mit Lehmputz zu versehen, dabei historische Befunde auf Wandteilflächen nach Absprache mit der beauftragten Restauratorin und den Denkmalbehörden sichtbar zu lassen, zu sanieren und zu dokumentieren. Die in Anlehnung an die einstige „Frauenempore“ eingebaute Empore soll eine Stahlkonstruktion mit Stützen sein. Hinzu kommen die finalen Gestaltungen der Decke und des Fußbodens, außerdem Elektroinstallation und Beleuchtung.

Man sei der Bitte auf Förderung sehr gern nachgekommen, erklärte Karsten Uhde von der Volksbank eG in Einbeck bei der Übergabe. Gemeinsam mit der VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Norddeutschland spendete die Volksbank eG in Einbeck einen Betrag in Höhe von 10.000 Euro für die anstehende Sanierung des Innenraums. „Ausschlaggebend war für uns die Tatsache, dass der Förderverein das Gebäude für allgemeine Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte zur Verfügung stellen möchte“, erklärte Volksbank-Vorstandsmitglied Andreas Wobst. „Die kulturelle Förderung in den Regionen unseres Geschäftsgebietes ist für uns sehr, sehr wichtig und beruht unmittelbar auf unserem Unternehmensmotto ‚Mehr Werte für Menschen‘.“ Der Vorstand der Volksbank eG ist sich sicher, dass die Alte Synagoge in der Bevölkerung viel Zuspruch erfahren und ein Ort der Begegnung sein wird. Wobst zeigte sich beeindruckt vom Engagement des Vereins und dessen Durchhaltevermögen bei diesem Mammutprojekt. „Darauf kann der Verein stolz sein“, resümierte er.

„Ruhelos“-Kunstausstellung

Kunst endet für Adolf Leschonski nicht am Bilderrahmen. Bis 19. Juli 2019 zeigt der Einbecker in der Alten Synagoge seine Ausstellung „Ruhelos“. Geöffnet ist donnerstags bis sonntags jeweils von 16 bis 19 Uhr. Die Einbecker Morgenpost berichtete am 27. Juni 2019 über die Vernissage.

Ausstellung Adolf Leschonski 2019. (c) Förderverein

Großes Interesse an Fritz-Bauer-Interview

Er war ein streitbarer, politisch denkender Jurist, der im Nachkriegsdeutschland auf einem einsamen, aber nicht verlorenen Posten stand: Fritz Bauer, hessischer Generalstaatsanwalt zur Zeit der Auschwitz-Prozesse. Knurrig und polternd konnt er sein, manchmal schroff und unerschrocken angriffslustig. Das verdeckte aber eigentlich nur, dass Fritz Bauer den Menschen zugetan war, obgleich er erfahren hatte und täglich neu erfahren musste, was Menschen einander anzutun fähig sind. Vor vollem Hause in der Alten Synagoge fand jetzt ein fiktives Interview mit Fritz Bauer statt. Die Aufführung des Theater-Teams des Buchcafés Bad Hersfeld von und mit Hartmut Käberich und Dieter Schenk wurde von Andreas Jaeger (Gitarre & Electronics) und Willi Hanne (Schlagzeug, Percussion und anderes) eindrucksvoll musikalisch begleitet.

Das fiktive Interview, das auf Bauers Schriften und Reden basiert, berührte die Höhen und Tiefen in Fritz Bauers Leben. Dem im Nachkriegsdeutschland der 1950-er Jahren noch unbekannten Juristen gelang es, der Politik des organisierten Vergessens den öffentlichen Ruf nach Aufarbeitung entgegen zu setzen. Seine Antworten auf kritische Fragen zeigten in dem nüchtern vorgetragenen Interview-Text einen Menschen, der niemanden unberührt lässt und der sich immer selbst treu geblieben ist, wenn er sich „im Zweifel für die Freiheit“ einsetzte. „Man kann ihm nicht helfen, das Herz ist zu heiß, die Haut zu dünn, die Sensibilität der Begabung zu groß“, schrieb Bauers Freundin Helga Einsele in ihrem Tagebuch. Höhepunkte in Fritz Bauers Karriere waren der von ihm initiierte erste Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963-1965) und die durch ihn ermöglichte Festnahme des Naziverbrechers Adolf Eichmann.

Veranstalter der szenischen Lesung waren der Förderverein Alte Synagoge, Kultur im Esel, die KZ-Gedenkstätte Moringen und amnesty international. Gefördert wurde die Veranstaltung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ und des Lokalen Aktionsplanes im Landkreis Northeim.

Lesung Fritz-Bauer-Interview. (c) Frank Bertram

Duo Adafina begeistert

Einen sehr schmackhaften musikalischen Eintopf servierte jetzt das „Duo Adafina“ in der Alten Synagoge in Einbeck. Die Würze bestand wie versprochen aus der ungewöhnlichen Klang-Kombination von Klezmer, Tango, afro-amerikanischer und barocker Musik. Hinzu kam die nicht gewöhnliche Instrumenten-Kombination, die Almut Schwab (Akkordeon / Flöten / Hackbrett) und Jan Köhler (Marimbaphon / Vibraphon / Percussion) aus Mainz mitgebracht hatten.

Die Besucher im gut gefüllten Saal der Alten Synagoge genossen die musikalischen Delikatessen mit Geschmacksexplosionsgarantie und entließen das Duo erst nach mehreren Zugaben.

Benannt ist das Duo Adafina nach dem traditionellen Shabbat-Eintopf der Spanisch sprechenden Juden. Überraschend kombinierte das Duo beispielsweise Johann Sebastian Bachs „Siciliana“ mit Klezmer und Tieftrauriges mit jauchzend Fröhlichem. Jan Köhler zeigte, dass man zur Stimmerzeugung in die Glocken des Marimbaphons auch hineinpusten kann und damit ganz außergewöhnliche Töne produziert. Was Almut Schwab aus Hackbrett und Flöten herausholte, vom Akkordeon ganz zu schweigen, begeisterte. Der Vorsitzende des Fördervereins Alte Synagoge, Frank Bertram, dankte dem Duo unter dem Applaus der Zuhörer für einen mitreißenden Nachmittag.

Duo Adafina in der Alten Synagoge. (c) Frank Bertram

Klezmers Techter begeistern

Zwei Zugaben und ein fast nicht enden wollender Applaus in einer ausverkauften Alten Synagoge in Einbeck waren der Höhepunkt eines mitreißenden Konzert-Sommerabends. Mal schwungvoll und voller Lebensfreude, mal ganz leise und melancholisch – die drei Frauen an Klarinette, Kontrabass und Akkordeon hatten für alle Stimmungen das richtige Lied dabei.

„Klezmers Techter“ ist eine der wenigen ausschließlich weiblichen Klezmer-Gruppen. Die Erfahrung der Jahre, in denen die drei Frauen inzwischen musikalisch miteinander unterwegs sind, konnten die Besucher bei den Liedern unmittelbar erleben, so perfekt aufeinander eingestimmt präsentierten die „Techter“ ihr neues Programm „Der Pojaz tanzt“. Das Trio spielte nach 2013 erneut in Einbeck zugunsten der Alten Synagoge in der Baustraße, die saniert wird. Die Instrumentalmusik von Gabriela Kaufmann (Klarinette, Bassklarinette), Almut Schwab (Akkordeon, Flöten, Hackbrett) und Nina Hacker (Kontrabass) wirkte wie eine ständige Aufforderung, das Leben trotz aller Hindernisse zu lieben und zu feiern.

Der Vorsitzende des Fördervereins Alte Synagoge, Frank Bertram, dankte den „Techtern“ am Ende für den Musikgenuss und allen Unterstützern und Freunden des Projektes, das 200 Jahre alte Fachwerkgebäude denkmalgerecht wieder in seinen Ursprungszustand zu versetzen. In der Pause des Konzertes drehten sich viele Gespräche um das, was bereits geleistet wurde, und das, was vor allem im Innenraum noch vor den Mitstreitern des Fördervereins liegt.

„Klezmers Techter“ erzählten mit ihren Instrumenten von Sehnsucht und tiefer Melancholie, hatten aber rechtzeitig immer auch wieder „Freylekhs“, ein fröhlich Lied im Repertoire. Das Trio spannte bei seinen Interpretationen jiddischer Musik mit großem Respekt vor dem musikalischen Erbe der Klezmer-Musik einen bemerkenswerten Bogen. Nach dem Abschlusslied zur Nacht („Makh tzu di Eygelekhs“) waren sich Publikum und Musikerinnen einig, dass nicht wieder fünf Jahre vergehen sollen, bis die „Techter“ erneut in Einbeck sind.

Klezmers Techter in der Alten Synagoge. (c) Frank Bertram

Stadtpartie Einbeck 2019

Wir freuen uns über die große Resonanz und viele interessierte Besucher während der erstmals in dieser Form organisierten StadtpARTie bei uns im Gebäude. Die Alte Synagoge war ein Veranstaltungsort des Festivals „StadtpARTie Einbeck“, außergewöhnliche Kunst & Kultur an besonderen Orten (30. April bis 5. Mai 2019). Bei uns war die Kunst-Ausstellung von Katharina Lob (Hannover) mit Arbeiten auf Acrylglas und Metall zu sehen. Ein großer Dank allen Unterstützern, Organisatoren, Sponsoren, Helfern und allen Künstlern, die bei uns zu Gast waren. Ein Video-Rückblick:

Viel Zuspruch beim DKKD 2017

An neun Abenden fand ein vielseitiges musikalisches Programm großen Zuspruch beim Publikum, bestens organisiert von „Kultur im Esel e.V“, die sozusagen ihre Bühne aus Sülbeck eine gute Woche lang während des DKKD-Festivals in die Alte Synagoge in die Baustraße verlegt hatten. Einen Video-Rückblick über die verschiedenen Konzerte, die vom 29. September bis 7. Oktober 2017 stattfanden:

Fassade fertiggestellt

In diesen Tagen wird der Bauabschnitt abgeschlossen, die Fassade denkmalgerecht zu erneuern und wieder in den Zustand zu versetzen, wie er nach Befunden von sachverständigen Restauratoren ursprünglich war. Die Alte Synagoge hat dabei in Absprache mit der Denkmalpflege einen neuen, sandfarbenen monochromen Außenanstrich erhalten, der die Fachwerkbalken je nach Lichteinfall nur noch schwach sichtbar werden lässt, zuvor waren einige Fachwerkbalken und die Gefache der um 1800 erbauten Alten Synagoge saniert worden.

„Im späten 18. Jahrhundert waren nahezu alle Gebäude mit einfarbiger Wandfassung versehen worden, oftmals um den Anschein eines Steingebäudes zu erwecken“, erklärt Frank Bertram, Vorsitzender des Fördervereins. „Farbige Akzente wurden damals und werden heute wieder durch Fenster und Türen gesetzt.“

In Einbeck ist die Alte Synagoge das erste Fachwerkgebäude, das einen monochromen Anstrich erhalten hat – lässt man die ebenfalls monochrome Sanierung des aus dem frühen 17. Jahrhundert stammenden Eicke’schen Hauses einmal außen vor. Andernorts, beispielsweise in Göttingen, Alfeld oder Wolfenbüttel sind monochrome Fachwerkhäuser jedoch bereits mehrfach zu sehen und durchaus üblich. In einer Stadt haben sich zu allen Zeiten Fachwerkbauten mit verschiedenen Baustilen vereinigt, es gab nie nur den einen Stil. „Für unsere Sehgewohnheiten, die Fachwerk häufig ausschließlich mit bunten Balken und Verzierungen verbinden, sind monochrome Fachwerkhäuser heute fremd“, sagt Frank Bertram. „Die Alte Synagoge wird helfen, das wieder zu verändern.“

Das ehemalige Synagogen-Gebäude wird vom Förderverein Alte Synagoge denkmalgerecht saniert. In den nächsten Tagen werden auch die neuen Türen eingebaut. Die Kosten für die Arbeiten des aktuellen Bauabschnitts in Höhe von kalkulierten insgesamt rund 64.000 Euro werden vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (45.000 Euro) und von der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim (19.000 Euro) getragen.

Die Einbecker Morgenpost berichtet am 8. September 2017 darüber.

Gefördert durch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, Hannover

Das Projekt wird gefördert aus Mitteln der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim

Mitglieder besuchen Villa Seligmann

Es war in gewisser Weise ein freundschaftlicher Gegenbesuch, nachdem Prof. Andor Izsák im Oktober vergangenen Jahres in der Alten Synagoge in Einbeck war und über seine Arbeit so lebendig berichtet und seine Unterstützung zugesagt hatte: 18 Mitglieder des Fördervereins Alte Synagoge haben jetzt die Villa Seligmann in Hannover besucht und waren zu Gast beim Experten für synagogale Musik.

Izsák führte die interessierten Einbecker persönlich durch die 1906 gebaute Villa des Conti-Gründer Siegmund Seligmann an der Hohenzollernstraße, zeigte das beeindruckende Wohnhaus am Rande der Eilenriede nicht nur, sondern präsentierte gleichzeitig an den verschiedenen Orgeln im Hause die oftmals vergessene Tradition synagogaler Musik. Und er schilderte eindrucksvoll, wie es wohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts in dem großbürgerlichen Haushalt mit Herrenzimmer, Musikzimmer und Ankleideräumen zugegangen sein muss.

Izsák versteht sich als ein Botschafter der jüdischen Sakralmusik in Deutschland und ganz Europa, die 1810 von Seesen aus ihren Anfang nahm. Er ist Gründer des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik in Hannover und wesentlicher Motor der Villa Seligmann. Zehn Jahre hartnäckige Arbeit waren notwendig, bis das einstige Wohnhaus des Siegmund Seligmann saniert und 2012 wieder eröffnet werden konnte. Die Villa Seligmann wurde 1903 bis 1906 nach einem Entwurf des Architekten Hermann Schaedtler gebaut. Das denkmalgeschützte Gebäude ist heute Schauplatz für Konzerte und andere Veranstaltungen. Ende 2006 hatte die Siegmund- Seligmann-Stiftung das Gebäude von der Stadt Hannover erworben, die es zuvor über Jahrzehnte genutzt hatte. Die Villa Seligmann ist eines der wenigen hannoverschen Zeugnisse des jüdischen Bürgertums vor der Schoa, sie ist mit ihren zahlreichen, repräsentativen Räumen der ideale Ort für ein Haus der Dokumentation, Erforschung und Vermittlung jüdischer Musik. Davon konnten sich die Mitglieder des Fördervereins Alte Synagoge in Einbeck bei ihrer Visite in Hannover ein lebendiges Bild machen.

Besuch in der Villa Seligmann in Hannover. (c) Förderverein

Besuch aus Keene

Wir waren am 19. Mai 2017 in der Alten Synagoge gerne Gastgeber für den Begrüßungs-empfang der Stadt Einbeck für Musikstudierende aus der Partnerstadt Keene/USA. Es spielte an diesem Abend das Trio „Valeriya Shishova & Die Vanderer“.

Einbecker Morgenpost vom 22.05.2017

Die EULE vom 24.05.2017

Empfang Keene. (c) Förderverein

Fassadensanierung beginnt

Das Gerüst steht, in den nächsten Wochen haben die Handwerker auf dem Gelände der Alten Synagoge in Einbeck wieder das Sagen: Der Förderverein kann in diesem Sommer die Fassade des 200 Jahre alten denkmalgeschützten Fachwerkgebäudes sanieren lassen. Die Alte Synagoge in der Baustraße ist eines der letzten Zeugnisse jüdischen Lebens in Einbeck.

Die Einbecker Morgenpost berichtet darüber am 21. Juni 2017.

Die Kosten für die Arbeiten in Höhe von kalkulierten insgesamt rund 64.000 Euro werden vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (45.000 Euro) und von der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim (19.000 Euro) getragen. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagte Förderverein-Vorsitzender Frank Bertram. „Wir schaffen mit der Alten Synagoge einen Ort der Begegnung und des offenen Dialogs, der jetzt eine sanierte Außenfassade bekommt.“

Der Bauabschnitt erfolgt wie bislang in enger, fachlich konstruktiver Abstimmung mit der Denkmalbehörde Stadt Einbeck, die das Projekt seit Beginn positiv und kooperativ begleitet. Ziel ist dafür Sorge zu tragen, dass das Hauptgebäude eine wetterfeste Gebäudehülle erhält. Das vom Förderverein beauftragte Ingenieurbüro Mathias Cortnum (Strodthagen) koordiniert alle Arbeiten. Beauftragt sind nach einer beschränkten Ausschreibung drei regionale Handwerksunternehmen: Der Malerbetrieb Hinkelmann GmbH wird die Holzkonstruktion sandstrahlen und freilegen, die Gefache und die Holzkonstruktion streichen. Die Zimmerei Markoldendorfer Holzbau wird erforderlichenfalls Holzbauteile ertüchtigen. Die Firma Mattern GmbH ist beauftragt, nicht haftende Gefache freizulegen, den Gebäudesockel aufzuarbeiten und die Gefache zu verputzen. Hinzu kommen werden noch Tischlerarbeiten für die drei Außentüren, die Ausschreibung dafür erfolgt in den nächsten Wochen.

Gefördert durch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, Hannover

Das Projekt wird gefördert aus Mitteln der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim

Mendelssohns Lieder ohne Worte

Eine vielfältige Auswahl aus Felix Mendelssohns „Liedern ohne Worte“ hat der Pianist Siegfried Großmann bei einem Benefizkonzert in der Alten Synagoge in Einbeck zugunsten des Fördervereins gespielt. „Als Gesamtwerk werden die Lieder ohne Worte leider nicht wahrgenommen“, bedauert Großmann, „man kennt immer nur einzelne Stücke, vielleicht zehn ein bisschen besser, immer wieder gespielt werden nur zwei oder drei“. Auch um das ein wenig zu ändern, brachte der Pianist an dem Abend auf dem Flügel einige der unbekannten, der nicht typisch-romantischen Lieder zu Gehör.

Siegfried Großmann hatte aus den insgesamt 48 nach und nach von Mendelssohn herausgegebenen „Liedern ohne Worte“ für das Konzert in Einbeck 24 ausgewählt und spielte sie in vier Gruppen zu je sechs Stücken, um die Vielfalt zu zeigen. „Keines der Lieder ist gleich.“ Zwischendurch erläuterte er die Werke und ihre Entstehung verständlich. Zu hören waren unter anderem das „Jägerlied“ genannte Molto Allegro e vivace, das „Venetianische Gondellied“, das „Spinnerlied“ genannte Presto und natürlich das wohl bekannteste unter den „Liedern ohne Worte“: das „Frühlingslied“ Allegretto grazioso, in England „Camberwell Green“ genannt.

Wie ist Siegfried Großmann erstmals mit den „Liedern ohne Worte“ in Berührung gekommen? Der heute 79-jährige evangelisch-freikirchliche Pastor im Ruhestand war 1955 zum Schüleraustausch in Manchester und dort gerne eingeladen in den Gastfamilien, um Klavier zu spielen. „Mir wurden fast immer die Lieder ohne Worte von Mendelssohn vorgelegt“, erinnert sich Großmann. Außer dem bekanntesten, dem in London komponierten „Frühlingslied“, kannte der 17-Jährige jedoch keines. Mendelssohn, der 1809 in Hamburg geborene protestantisch getaufte Komponist zwischen jüdischer und christlicher Tradition, galt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland noch als verpöhnt. In England sei Mendelssohn jedoch immer wie auch Händel durch seine langen Aufenthalte auf der Insel als ein englischer Komponist angesehen und dementsprechend gerne gespielt worden, berichtete Großmann. „Dort hat seine jüdische Herkunft keine Rolle gespielt.“

Einige von Mendelssohns „Liedern ohne Worte“ haben durchaus Ansätze an die zeitgenössische Synagogenmusik, die von Anfang immer auch einen romantischen Schwerpunkt hatte. Siegfried Großmann lebt in Seesen, wo Anfang des 18. Jahrhunderts die erste Synagoge mit Orgel gebaut und damit das sich assimilierende, das liberale Judentum sozusagen erfunden worden ist. Großmann: „In dieser Zeit hat Mendelssohn komponiert.“

Als Mendelssohn einmal gefragt worden sei, erzählte Siegfried Großmann bei dem Konzert in der Alten Synagoge in Einbeck, ob man nicht zu den „Liedern ohne Worte“ doch Worte hinzufügen sollte, habe dieser geantwortet: „Meine Lieder ohne Worte brauchen keine Worte.“ Der lang andauernde Applaus der Zuhörer zeigte, dass Mendelssohn recht hatte.

Die Veranstaltung wurde unterstützt von der Tangobrücke Einbeck und von der Jugendkirche Marie.

Mitgliederversammlung 2017

In diesem Jahr soll es mit der Fassadensanierung der Alten Synagoge in der Baustraße weitergehen, die Planungen sind bei der Mitgliederversammlung vorgestellt worden. Darüber und über Rückblick und Ausblick berichtet die Einbecker Morgenpost am 8. März 2017.

Große Resonanz am Tag des offenen Denkmals

Große Resonanz beim Tag des offenen Denkmals am 11. September 2016: Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit und informierten sich vor Ort über das Erreichte und die Pläne in der Alten Synagoge. Zwei gut frequentierte Führungen der Stadt Einbeck durch Krimhild Fricke endeten auf dem neu gestalteten Innenhof zwischen Synagogengebäude und Baptistengemeinde, wo die Einbecker Landschaftsarchitektin Friederike Freitag ihre Planungen für die weitere Gestaltung der Außenfläche erläuterte. Die Gruppe „Jelemo“ unterhielt die Besucher mit Klezmer- und Folkklängen. Das Weinhaus Heiko Jörns sorgte für Stärkung der Gäste durch Speis‘ und Trank.

Die Einbecker Morgenpost berichtete am 13.09.2016 über den Tag des offenen Denkmals.

Tag des offenen Denkmals in der Alten Synagoge. (c) Frank Bertram

Prof. Andor Izsak in der Alten Synagoge

Der Gründer des  Europäischen Zentrums für Jüdische Musik in Hannover, Prof. Andor Izsák, hat die Musik der Synagoge zahlreichen interessierten Besuchern in der Alten Synagoge in Einbeck vorgestellt. Der 1944 im Budapester Ghetto geborene Experte für synagogale Musik hat am E-Piano live Beispiele zu Gehör gebracht.

Die Einbecker Morgenpost berichtete darüber am 13. Oktober 2016.

Prof. Andor Izsák gründete das Europäische Zentrum für Jüdische Musik, das sich die Rekonstruktion und Dokumentation der synagogalen Musiktradition, wie sie bis zur Reichspogromnacht von 1938 in fast jeder größeren jüdischen Gemeinde in Deutschland zu hören war, zur Aufgabe gemacht hat. Das Institut der Musikhochschule Hannover in der Villa Seligmann verfügt über eine einzigartige Sammlung an Dokumenten, Noten, Aufnahmen und Synagogenorgeln. Izsák versteht sich als ein Botschafter der jüdischen Sakralmusik in Deutschland und ganz Europa.

Prof. Andor Izsak in der Alten Synagoge. (c) Frank Bertram

Ausstellung über die „Nakba“ eröffnet

Sie will ein kleiner Baustein für den notwendigen Dialog sein: „Die Nakba. Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ lautet der Titel einer Ausstellung des Vereins Flüchtlingskinder im Libanon (Pfullingen), die vom 1. bis 18. September in der Einbecker Marktkirche St. Jacobi am Marktplatz zu sehen ist. Örtlicher Veranstalter ist der Föderverein Alte Synagoge in Einbeck in Zusammenarbeit mit der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Einbeck und der Stadt Einbeck. Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Marktkirche zu sehen: Montag bis Freitag jeweils 10.30 bis 18 Uhr, Sonnabend 10.30 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Berichterstattung der Einbecker Morgenpost, 06.09.2016

Die Ausstellung habe eine friedensstiftende Funktion, solle ein kleiner Baustein im wichtigen Dialog über die historischen Gräben hinweg sein, sagte Günter Dietzek bei der Eröffnung im Namen der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Einbeck. Nicht in einem einzigen Satz der Ausstellungstexte sei auch nur ein Hauch von Antisemitismus zu finden. Die Fakten der Vertreibung der Palästinenser würden empirisch klar und deutlich dargestellt, ohne wertende Stellungnahmen. Die Wurzeln des Friedens sei eine schonungslose Aufklärung über die Geschehnisse der Vergangenheit, sagte Dietzek.

Die Ausstellung sei eine Gratwanderung, gerade auch in Deutschland, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek in ihren Eröffnungsworten. Sie solle den Blickwinkel öffnen, den Horizont erweitern, wünschte sie sich. „Bei Konflikten haben wir nie nur eine Sichtweise, es ist notwendig, diese immer von mehreren Seiten zu betrachten.“

In die Ausstellung führte Dr. Karl-Otto Körber von der Arbeitsgemeinschaft Völkerrecht und Menschenrechte in Palästina und Israel sowie verantwortlicher Redakteur der Palästina-Israel-Zeitung ein. Dass eine Kirche ihre Räume für die Wanderausstellung zur Verfügung stelle sei nicht selbstverständlich, aber das freue ihn.

Warum gibt es diese Ausstellung? In Israel werden die Ereignisse um 1948 in Verbindung mit der Ausrufung des israelischen Staates als Wiedergeburt nach zweitausendjährigem Exil und nach Jahrhunderte langer Verfolgung gefeiert. Den überwiegenden Teil der Palästinenser haben diese Ereignisse zu einem Volk von Flüchtlingen gemacht. Sie sehen sich ihrer Heimat und ihres Besitzes beraubt, ohne Aussicht auf nationale Selbstbestimmung, Entschädigung oder gar Rückkehr. Die aus der Ermordung von Millionen Juden im Nationalsozialismus erwachsene deutsche Schuld hat dazu geführt, dass Gesellschaft, Politik und Medien überwiegend das israelische Verständnis dieser Zeit verinnerlicht haben.Der Blick auf das Leid der palästinensischen Menschen wurde verstellt. Die Thematisierung ihrer Flucht und Vertreibung, erst recht ihrer Forderungen nach Rückkehr und Entschädigung, gilt bis heute vielfach als Tabubruch. Ohne die Kenntnis und ohne eine gebührende Anerkennung dieser Seite des Konflikts werden Aussöhnung, Gerechtigkeit und Frieden im Nahen Osten keine Chance haben. Hierzu soll die Ausstellung einen Beitrag leisten.

Die Ausstellung besteht aus 14 großformatigen Tafeln. Ein Ausstellungskatalog mit allen Texten, Karten, Tabellen und Fotos der Folien sowie den Quellenangaben ergänzt die Ausstellung (Schutzgebühr 3 Euro).

Rotarier informieren sich vor Ort

Der Rotary-Club Einbeck-Northeim hat die Alte Synagoge besucht. Fast 40 Gäste informierten sich über den Förderverein und die Sanierung des Gebäudes. Vorsitzender Frank Bertram berichtete über bereits Geleistetes und künftige Pläne und dankte den Besuchern für ihr Interesse am Projekt Alte Synagoge. Noch sei sie eine Baustelle, sagte er. Der Förderverein ist aber gewiss, sein Ziel zu erreichen, dass die denkmalgerechte Sanierung gelingen wird.

Die Einbecker Morgenpost berichtete am 21. Juli 2016 über den Rotary-Besuch.

Rotary-Past-Präsident Hinrich Haffner übergab einen symbolischen Scheck in Höhe von 300 Euro an den Vorsitzenden des Fördervereins, Frank Bertram, der sich für die Unterstützung bedankte.

Hinrich Haffner, Frank Bertram. (c) Förderverein

Sanierung Nebengebäude abgeschlossen

Der Förderverein Alte Synagoge in Einbeck konnte viele Besucher „auf einen Kaffee“ im sanierten Nebengebäude begrüßen. Der Bauabschnitt der denkmalgerechten Sanierung des ehemaligen Stallgebäudes ist abgeschlossen. Der Vorstand freut sich über die Möglichkeit, durch Küche und WC-Anlagen das ehemalige Synagogen-Gebäude in Zukunft noch besser als Ort der Begegnung und des offenen Dialogs nutzen zu können.

Die Einbecker Morgenpost berichtet am 1. März 2016 über unseren „Kaffee-Treff“.

Für insgesamt rund 165.000 Euro sind in enger Abstimmung mit der örtlichen Denkmalpflege auf einer Grundfläche von rund 30 Quadratmetern vier gut nutzbare Räume entstanden: Eine Küche, ein Raum für zwei getrennte Toiletten, ein barrierearmes WC sowie ein Raum für einen Gasbrennwertkessel, der in Zukunft auch das Hauptgebäude mit versorgen wird.

KücheDafür sind die notwendigen Versorgungsleitungen (Wasser, Strom, Gas) von der Straße aus neu gelegt worden. Alle Räume haben einen Gussasphaltestrich-Fußboden auf einer Betonsohle erhalten. Die östliche Giebelwand wurde komplett erneuert, hinter der Fachwerk-Fassade ist eine Holzrahmenwand mit Innendämmung eingezogen. Gefache mussten teilweise erneuert werden. Neben Fenstern, Türen und den Sanitäranlagen (WC, barrierearmes WC) ist in dem Nebengebäude eine funktionelle Küche eingebaut worden, die für Veranstaltungen genutzt werden kann.

Von den 165.000 Euro stammen rund 20.000 Euro von der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim und rund 15.000 Euro von der Volksbank-Stiftung. Das Projekt wurde wesentlich mit rund 130.000 Euro durch Mittel des Städtebaulichen Denkmalschutzes im Fördergebiet Neustadt-Möncheplatz realisiert. Die AKB-Stiftung Einbeck stellte 6000 Euro zur Verfügung, damit auch gleich die Küche mit eingebaut werden konnte. Für die Unterstützung ist der Vorstand allen Förderern sehr dankbar.

WCBeteiligt waren ausschließlich heimische Handwerker: die Firmen Mattern, Markoldendorfer Holzbau, Tischlerei Papenberg (Bad Gandersheim), Malerbetrieb Saal (Kreiensen), Hoppert Heizungs- und Lüftungsbau GmbH, Elektro-Isemann sowie Küchen-Rosenthal. Ausführender Architekt war das Büro ssp Sander in Bad Gandersheim.

Benefizkonzert „Schall & Rauch“

Die Alte Synagoge war an dem Sommerabend im Mai bis auf den letzten Platz besetzt, die Resonanz überwältigend, der Abend ein erfolgreicher: Zu einem Benefizkonzert war das Berliner Männer-Quartett „Schall & Rauch“ zu Gast in Einbeck, das Musik der Comedian Harmonists wieder lebendig werden ließ, aber auch A-cappella-Musik, mit der niemand gerechnet hat. Die „Einbecker Morgenpost“ berichtete darüber am 1. Juni.

„Schall & Rauch“ in der Alten Synagoge. (c) Einbecker Morgenpost

Fotos vom Konzert am 21. Mai 2016 (c) Einbecker Morgenpost / Kay Weseloh

„Evergreens im Frack“ erklingen bei einem Benefizkonzert am Sonnabend, 21. Mai, um 20 Uhr in der Alten Synagoge in Einbeck, Baustraße 15a. Das Berliner Männer-Quartett „Schall & Rauch“ stellt die Musik der Comedian Harmonists in den Mittelpunkt. Dieses legendäre Sextett („Veronika, der Lenz ist da“) ist eines der musikalischen Vorbilder von „Schall & Rauch“ und hat Musikgeschichte geschrieben. Der Eintritt ist frei, Spenden zugunsten des Fördervereins Alte Synagoge sind möglich.

Mit ihren komplexen und zugleich anspruchsvollen Vokal-Arrangements, garniert mit Instrumenten-Imitationen, gehören die Comedian Harmonists zu den wichtigen Wegbereitern der A-capella-Musik. Besonders traurig war das Ende der Comedian Harmonists: Drei der Sänger waren Juden und durften Mitte der 1930-er Jahre nicht mehr auftreten, die Formation trennte sich.

Für den zweiten Tenor von „Schall & Rauch“ ist das Konzert in Einbeck am 21. Mai eine Rückkehr zu seinen Wurzeln: Rainhard Koch hat seine Kindheit und Jugend in Einbeck verbracht und freut sich auf einen Auftritt in der alten Heimat. Außerdem mit dabei sind Martin Heger (1. Tenor), Matthias Lichtenberg (Bariton) und Hans-Joachim Haase (Bass).

Das Konzert unter dem Titel „Evergreens im Frack“ verspricht feinste A-capella-Musik, schwungvolle Moderation und jede Menge Vergnügen. An DSDS, „Voice of Germany“ oder die „Wise guys“ war noch lange nicht zu denken, als sich Anfang der 1990-er Jahre in Berlin das Ensemble „Schall & Rauch“ zusammenfand, um sich dem anspruchsvollen A-capella-Gesang zu widmen. Was als kleiner Gag begann, ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Berliner Gesangsszene geworden.  Nach kurzer Pause und Umbesetzung ist „Schall & Rauch“ seit nunmehr acht Jahren wieder musikalisch aktiv und hat auf verschiedenen Berliner Kleinkunstbühnen seine Zuhörer verzaubert. Frech, witzig und nicht immer ganz ernst fassen die Sänger alles an, was sich irgendwie mit vier Stimmen auf die Bühne bringen lässt.

Der Eintritt zu dem Konzert am 21. Mai ist frei, Spenden zugunsten des Fördervereins Alte Synagoge sind möglich. Das Gebäude in der Baustraße wird vom Förderverein denkmalgerecht saniert. Der Verein möchte das Haus als Ort der lebendigen Begegnung nutzen, der Menschen verschiedener Kulturen, Religionen und Generationen zu einem offenen Dialog zusammen führt.

Giora Feidman in Einbeck

Am 8. November 2015 war der berühmte Klarinettist Giora Feidman in der gut gefüllten Münsterkirche zu Gast. Der  Förderverein Alte Synagoge in Einbeck hat in der Pause Getränke ausgeschenkt. Der Überschuss kommt dem Wiederaufbau des Synagogen-Gebäudes zugute.

Giora Feidman hat im Laufe seiner langen Karriere mit zahlreichen Streichensembles klassische und moderne Werke gespielt. Die Kammermusiker um Michel Gershwin, dem Primarius und Namensgeber des Quartetts, alle ebenfalls tief in der E-Musik verwurzelt, haben den Klarinettisten hervorragend begleitet, bildeten eine klangliche Einheit mit dem Holzblasinstrument und haben auch mitreißende Stücke für Duett und Quartett alleine aufgeführt.

Wie immer zog Giora Feidman durch den Mittelgang ein. Dabei hörte man die zartesten Töne von der Klarinette. Es war, als würde Feidman leise summend in die Münsterkirche einziehen. Die dynamische Bandbreite des Künstlers war extrem: Leisestes Pianissimo und laute Klänge, die sowohl Klage als auch Freude ausdrücken konnten. Daneben hat Feidman nicht nur zwischendurch moderiert, sondern verstand es auch, sein Publikum zum Mitsingen zu animieren.

Eine Zuhörerin sagte: „Mich beeindruckt die Energie, die von diesem Mann ausging. Energie in mehrfacher Hinsicht: sein friedenspolitisches Engagement, die Energie und Intensität in seiner Musik, die Energie in seinen Bewegungen.“

Giora Feidman in der Münsterkirche. (c) Frank Bertram

Mendelssohn-Konzert erfolgreich

Ein Benefizkonzert zugunsten der Alten Synagoge fand in Einbeck statt. Im derzeit noch nicht fertig restaurierten Synagogenraum lauschten gut 60 Gäste zwei fast unbekannten Werken des „Wanderers zwischen den Welten“: Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Denn Mendelssohn, der in seiner Kindheit noch die jüdische Synagogenmusik kennen gelernt hatte, nahm immer wieder Elemente dieser Musik in seine Kompositionen auf – auch in den beiden Klavierwerken dieses Abends. Der Pianist Siegfried Großmann aus Seesen führte in Leben und Werk des großen Komponisten ein und spielte dann die „Variations serieuses“ und sechs „Präludien und Fugen“, die Mendelssohn selbst für sein gelungenstes Klavierwerk hielt. Ungeachtet dessen sind diese beiden Werke so gut wie nie auf den musikalischen Podien zu hören.

Den gut gestimmten Flügel stellte die Tangobrücke zur Verfügung, fleißige Hände hatten für Licht und Podium von der Jugendkirche Marie gesorgt. Die schöne Akustik des hohen Synagogenraums machte das differenzierte Spiel von Siegfried Großmann zu einem Kunstgenuss, der in der Pause bei einem Glas Wein angeregt diskutiert werden konnte.

25.4.2015

Siegfried Großmann in der Alten Synagoge. (c) Förderverein

Besuch am Tag der Städtebauförderung

Erstmals fand der bundesweite Tag der Städtebauförderung statt. Auch die Stadt Einbeck beteiligte sich, bei einem Rundgang zum Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ machte die Gruppe auch in der Alten Synagoge Station.

Die Einbecker Morgenpost berichtete am 18.05.2015

Treffpunkt für den eineinhalbstündigen Rundgang am 9. Mai ist um 11 Uhr am Möncheplatz („Einbecker Blaudruck“). Die Stadt Einbeck ist mit den Programmen „Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke“ und „Städtebaulicher Denkmalschutz“ in die Städtebauförderung aufgenommen worden. Die Stadt Einbeck plant einen Rundgang in der Innenstadt durch das Sanierungsgebiet „Neustadt-Möncheplatz“. An verschiedenen Stationen werden den Teilnehmern ausgewählte Beispiele vorgestellt. Dabei geht es um bereits im Bau befindliche Maßnahmen, die vor Ort erläutert werden, aber auch um Planungen für anstehende Projekte. So wird z. B. eine Innenhofplanung in der Hägerstraße vorgestellt, bei der nach Abbruch noch vorhandener Schuppen ein attraktiver Innenbereich entsteht.  Auf dem Rundweg werden noch weitere, z.T. sonst nicht zugängliche, Innenbereiche betreten, die sich noch im „Dornröschenschlaf “ befinden und die ganz am Planungsanfang stehen. Die Stadt Einbeck möchte diesen Tag nutzen, um Bürgerinnen und Bürger über das Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ zu informieren und für Maßnahmen zu interessieren. Informationen bei Krimhild Fricke, Telefon 05561/916-206 im Neuen Rathaus.

Mitgliederversammlung 2015

Bericht der Einbecker Morgenpost

AJR-Vortrag von Dora Köhler

Über ihre Zeit in London nach dem Abitur während ihrer Arbeit bei der „Association of Jewish Refugees“ hat Dora Charlotte Köhler in Einbeck berichtet.

Die 19-Jährige studiert jetzt in Mannheim Politikwissenschaften. Nach London gesandt hatte Dora Köhler die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF). Sie wird am Holocaust-Denktag in ihrem auf Einladung des Fördervereins Alte Synagoge in Einbeck zustande gekommenen Vortrag über die Aktion Sühnezeichen und die „Association of Jewish Refugees“ (AJR) erzählen. Die ASR kümmert sich um Holocaust-Überlebende und Flüchtlinge in England. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Flüchtlinge nach England, entweder mit einem „domestic visa“, um einfache Arbeiten zu leisten (Gärtner, Haushälterin, Putzfrau), oder als Kinder mit einem der Kindertransporte. Diese Transporte brachten Kinder im Alter bis 16 Jahre ohne ihre Eltern nach England und boten ihnen dort eine Unterkunft bei Gastfamilien. Fast in jeder groβen Stadt Deutschlands, Österreichs und Tschechiens fuhren diese Transporte nach der Pogromnacht in Richtung England und erreichten London an der Liverpool Street Station, wo den Kindern heute ein Denkmal gewidmet ist. Heutzutage werden vom AJR viele „social services“ geleistet. Dora Köhler wird unter anderem von ihren Besuchen berichten, die sie in London bei einer älteren Dame gemacht hat, die aus Prag mit einem von Nicolas Winton organisierten Transport geflohen ist.

Bericht „Einbecker Morgenpost“ 30.01.2015

Fortschritte bei Sanierung

Der Förderverein hat die Unterstützer der aktuell laufenden Bauarbeiten am Nebengebäude bei einem Ortstermin über den Stand der Dinge informiert. Finanziell unterstützt wird dieser Bauabschnitt durch die Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim, durch die Volksbank Einbeck sowie durch die Förderung im Sanierungsgebiet Städtebaulicher Denkmalschutz Neustadt-Möncheplatz der Stadt Einbeck/DSK.

Mehr im Bericht der „Einbecker Morgenpost“ vom 15.12.2014

Förderer vor dem Nebengebäude Dezember 2014. (c) EM

Besuch bei der NDR-Plattenkiste

Der Förderverein Alte Synagoge in Einbeck hat am 15. Oktober 2014 die NDR-Plattenkiste besucht. Vorsitzender Frank Bertram, Schriftführerin Petra Kersten und Baudirektor Gerald Strohmeier als Vertreter des Mitgliedes Stadt Einbeck waren in der beliebten Radio-Sendung zu Gast, die auf NDR 1 Niedersachsen live ausgestrahlt wird. Die Gäste unterhielten sich mit NDR 1 Moderator Michael Thürnau über die Arbeit des Vereins. Sie erzählten, was es bedeutet, ein 200 Jahre altes, denkmalgeschütztes ehemaliges Synagogen-Gebäude zu sanieren und dadurch einen lebendigen Ort der Begegnung für Menschen verschiedener Kulturen zu schaffen. Von Montag bis Freitag heißt es zwischen 12 und 13 Uhr bei NDR 1 Niedersachsen „Die Plattenkiste – Hörer machen ein Musikprogramm“ und die Sendung wird komplett von den Gästen gestaltet.

Michael Thürnau, Petra Kersten, Frank Bertram, Gerald Strohmeier. (c) NDR

Ausstellung Weltreligionen

Die Ausstellung „Weltreligionen“, die vom 22. bis 27. Juli 2014 in der Baustraße 15-17 in Einbeck zu sehen sein wird, will die Vielfalt der verschiedenen Religionen darstellen, auch wenn sie nur eine Auswahl zeigen kann. Kooperationspartner der Ausstellung sind die Evangelisch-freikirchliche Gemeinde Einbeck, der Förderverein Alte Synagoge in Einbeck, der Ambulante Hospizdienst Leine-Solling und FIPS Einbeck (Verein für Integration, Prävention und Sozialarbeit).

Darüber berichtet die Einbecker Morgenpost am 17. Mai 2014

Spende der Volksbank

Kürzlich hat die Volksbank Einbeck dem Förderverein Alte Synagoge eine Spende in Höhe von 14.850 Euro überreicht. Die Vorstandsmitglieder der Bank, Andreas Wobst (2.v.r.) und Thorsten Briest (2.v.l.), überreichten den offiziellen Scheck an die Förderverein-Vorstandsmitglieder Frank Bertram (Mitte), Elke Alex und Joachim Voges. Das Geld wird für die weitere Sanierung eingesetzt. Wir danken für die Spende, sie zeigt die Verbundenheit der Volksbank mit der Region.

(c) Die EULE

Mitgliederversammlung 2014

Bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Alte Synagoge standen jetzt Rückblick und Ausblick im Mittelpunkt. Vorsitzender Frank Bertram dankte allen, die sich seit Gründung des Vereins vor zehn Jahren für das gemeinsame Anliegen – die Sanierung der einstigen Synagoge – einsetzen.

Bericht der Einbecker Morgenpost, 06.03.2014

Für Synagoge geradelt

Der ehemalige Goetheschullehrer Hinrich Lange (Bovenden) hat dem Vorsitzenden des Fördervereins Alte Synagoge, Frank Bertram, eine Spende in Höhe von 1200 Euro übergeben. Lange hatte anlässlich eines runden Geburtstags Deutschland mit dem Rad erkundet. Etwa 1000 Kilometer legte er in vier Etappen zurück. Vom Königssee bis Regensburg, von Karlsruhe bis Göttingen, von Göttingen bis Potsdam und von Celle bis Ostfriesland radelte HInrich Lange durch Deutschland. Dabei sammelte er Spenden und bedachte nun den Synagogen-Förderverein mit der Spende über 1200 Euro.

Bericht in der Einbecker Morgenpost vom 09.09.2013

(c) Förderverein

Viel Applaus für Klezmers Techter

Erst nach zwei Zugaben durften die Töchter die Bühne verlassen: Mit viel Applaus und großer Freude über einen Musikabend der Spitzenklasse ist vor über 120 Besuchern das Benefizkonzert des Trios „Klezmers Techter“ zu Ende gegangen. In der Neustädter Kirche St. Marien ließen „Klezmers Techter“ mit ihrer mal ruhigen, besinnlichen, traurigen, dann aber ebenso fröhlichen, mitreißenden und heiteren Klezmer-Musik die gesamte Bandbreite lebendig werden. Gabriela Kaufmann (Klarinette, Bassklarinette), Almut Schwab (Akkordeon, Flöten, Hackbrett) und Nina Hacker (Kontrabass) erzählten in tiefer Verbundenheit und mit großem Respekt vor dem musikalischen Erbe jüdischer Musik mit ihren Instrumenten von der Sehnsucht, von tiefer Melancholie, aber genauso gekonnt von überschwänglicher Lebensfreude.

„Wir bedanken uns bei Klezmers Techtern für ein großartiges Konzerterlebnis und bei der Neustädter Kirchengemeinde sowie der Jugendkirche Marie für die Gastfreundschaft und die unkomplizierte Kooperation am 9. November“, sagte Frank Bertram, Vorsitzender des veranstaltenden Fördervereins Alte Synagoge in Einbeck. „Im Geiste unseres Vereinsziel, einen Ort der Begegnung und des offenen Dialogs über religiöse und kulturelle Unterschiede hinweg zu schaffen, haben wir uns sehr über die Möglichkeit gefreut, den großen Kirchenraum für unser Benefizkonzert nutzen zu dürfen.“

Bericht in der Einbecker Morgenpost, 12.11.2013

Landratskandidat vor Ort

Der Landratskandidat der CDU, Dr. Bernd von Garmissen, hat sich gemeinsam mit Parteifreunden beim Förderverein Alte Synagoge in Einbeck informiert. Bei seinem Besuch erläuterte der Vorstand dem Landratskandidaten die bereits erfolgten und die noch bevorstehenden Arbeiten bei der Sanierung des Gebäudes. Auch über die künftige Nutzung als Ort der Begegnung und des offenen Dialogs kamen die Besucher mit dem Fördervereinsvorstand ins Gespräch.

(c) Förderverein

Landrat zu Besuch

Landrat Michael Wickmann (SPD) hat sich beim Förderverein Alte Synagoge in Einbeck über den aktuellen Stand der Dinge kundig gemacht. Bei seinem Besuch informierte der Vorstand den Landrat über die bereits erledigten und über die noch anstehenden Arbeiten bei der denkmalgerechten Sanierung des Gebäudes.

(c) Förderverein

Grüne informieren sich

Über die Alte Synagoge in Einbeck informierte sich die Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Viola von Cramon, gemeinsam mit Landratskandidat Jörg Wolkenhauer und weiteren Grünen-Parteifreunden. Der Vorstand des Fördervereins erläuterte das Vorhaben und den Stand der Sanierung bei dem über 200 Jahre alten Gebäude.

(c) Förderverein

Sanierungsbeirat zu Besuch

Der Sanierungsbeirat des Förderprogrammes Städtebaulicher Denkmalschutz hat am 9. August 2013 seinen Rundgang durchs Quartier mit einem Besuch in der Alten Synagoge in der Baustraße beendet. Mit der Arbeit des Beirates, in dem auch der Förderverein Alte Synagoge vertreten ist, sollen die Menschen im Fördergebiet „Neustadt-Möncheplatz“ in die Planungen eingebunden werden. Der Förderverein-Vorstand konnte den interessierten Beiratsmitgliedern das Projekt vorstellen. Ein nächstes Treffen in der Alten Synagoge – also mitten im Fördergebiet – ist bereits geplant. Für den Förderverein Alte Synagoge ist das ein weiterer Schritt hin zu einem Ort des Begegnung und des offenen Dialogs.

Bürgermeisterin-Besuch

Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Baudirektor Gerald Strohmeier und Peter Sobeck vom Bauamt der Stadt Einbeck sowie die bisher an der Sanierung der Alten Synagoge beteiligten Handwerker aus der Region waren jetzt vor Ort. Der Vorstand erläuterte den Stand der Arbeiten, zuletzt konnten dank großzügiger Unterstützung von Förderern die Fenster eingebaut werden. Vertreter der Stadt bezeichneten das Projekt des Fördervereins als gutes Beispiel für das Quartier, in dem jetzt das Förderprogamm Städtebaulicher Denkmalschutz startet.

Bericht der Einbecker Morgenpost vom 29.07.2013

Bericht der Einbecker Morgenpost vom 30.07.2013

Menora

Einen siebenarmigen Leuchter erhielt jetzt der Förderverein Alte Synagoge in Einbeck als Spende. Die Menora stammt aus dem Familienbesitz der Geschwister Barbara und Burkhard Demmler aus Amelsen; sie soll einen würdigen Platz in dem Gebäude in der Baustraße finden, wenn die Sanierung beendet ist. Ab sofort jedoch wird der Leuchter bereits bei den Veranstaltungen des Fördervereins sichtbar sein, kündigte Förderverein-Vorsitzender Frank Bertram an, der sich im Namen des Vorstandes herzlich für die Spende bedankte: „Das Interesse vieler Menschen an unserem Projekt zeigt uns, dass wir auf einem guten Weg sind, die Alte Synagoge in Einbeck als Ort der Begegnung und des offenen Dialogs zu entwickeln.“

Frank Bertram und Barbara Demmler. (c) Förderverein

Mehr als erinnern

Mehr als Erinnern – wie gelingt ein Ort des Dialogs? Dieser Frage stellte sich die fünfte Konferenz des Netzwerks „Topografie der Erinnerung – Gedenken und Erinnern in Südniedersachsen“ in Einbeck. Veranstaltet wurde sie vom Förderverein Alte Synagoge in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Moringen. Ziel eines im Mittelpunkt der Veranstaltung stehenden öffentlichen Podiumsgesprächs war es, eine Vision für Orte zu entwickeln, die sich als Foren des offenen Dialogs verstehen. „Wir nehmen aus der Diskussion dankbar viele Impulse und Anregungen mit auf unseren Weg hin zu einem durchaus auch unbequemen Ort des lebendigen Dialogs“, zog der Vorsitzende des Fördervereins Alte Synagoge, Frank Bertram, ein Fazit.

Das Gebäude der Alten Synagoge, um das Jahr 1800 in zweiter Reihe in der Baustraße in Einbeck errichtet, wird vom im Jahre 2004 gegründeten Förderverein denkmalgerecht wiederhergestellt und schon heute mehrmals im Jahr für Veranstaltungen im Sinne der Begegnung und des Dialogs genutzt. Welche Voraussetzungen sollte ein solcher Ort erfüllen? Welche Veranstaltungsformen und -inhalte sind für einen Ort der kulturellen und geschichtlichen Bildung möglich und sinnvoll?

Wichtige Grundlage für das Funktionieren eines Dialogs sei, dass dieser auf Augenhöhe stattfinde, sagte Konstantin Seidler von der Liberalen jüdischen Gemeinde Hannover. Vorgefertigte Meinungen und Annahmen stünden dem häufig genauso entgegen wie Scham und Schuld. Dr. Dietmar Sedlaczek, Leiter der KZ-Gedenkstätte Moringen, formulierte als Voraussetzung daher, dass die Dialogpartner sich vor dem Hintergrund des Themas zunächst selbst verorten müssten. Das Wissen um den historischen Zusammenhang von Verfolgung und Ausgrenzung sei die Grundlage, um heutige Ausgrenzungsmechanismen zu verstehen und ihnen entgegen zu wirken. Darüber hinaus brauche es, sagte Moderator Heinz Behrends, häufig eine zweite Position, anhand derer sich die eigene Position schärfen oder aber korrigieren könne. Ein Dialog sei somit immer ein Lernprozess, meint der Superintendent. Zum Abschluss wünschten die Podiumsteilnehmer dem Förderverein Mut, ein „sperriger Ort“ zu sein und auch kontroverse Themen zu diskutieren.

Ein Rundgang auf den Spuren jüdischer Geschichte in Einbeck mit Marion Bartels bot den über 35 Teilnehmern der Konferenz darüber hinaus die Möglichkeit, die Geschichte und Erinnerungskultur des Ortes kennenzulernen. Der Weg führte unter anderem an die ehemaligen Standorte einer Mikwe und der 1938 zerstörten neueren Synagoge in der Bismarckstraße. Eine 2008 angebrachte Gedenktafel am Alten Rathaus listet die Namen der im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten jüdischen Bürger Einbecks auf.

Das Netzwerk „Topografie der Erinnerung“ wurde 2008 von der KZ-Gedenkstätte Moringen gegründet und ist ein loser Zusammenschluss von Multiplikatoren und Akteuren der Bildungs- und Erinnerungskultur, die sich im südlichen Niedersachsen (Landkreise Göttingen, Northeim, Osterode und Holzminden) auf diesem Feld engagieren.

Die Veranstaltung wurde gefördert über den Lokalen Aktionsplan des Landkreises Northeim im Rahmen des Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN. Gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.“

Bericht der Einbecker Morgenpost vom 02.06.2013

Frank Bertram, Joachim Voges, Konstantin Seidler, Heinz Behrends und Dr. Dietmar Sedlaczek. (c) EULE